Das Gefühl von Kälte und schwerem Ballon. Meine Erfahrung mit angeleiteter Mediation

Ich war bei der Meditation. Ich fasse es nicht, dass ich das getan habe.


Ich.

  • Die es nicht erträgt, 5 Minuten einfach mal so in die Luft zu starren.

  • Die sogar bei der Entspannungsphase beim Yoga weint und

  • es nicht erträgt.

Es war eine Herausforderung.


Heute sagt man lässig Challenge.


Und so begab ich mich in den Meditationsraum, in dem nur ein älterer Mann saß. Flüchten war der erste Gedanke.


Aber irgendwie reizte mich diese Atmosphäre, die Möglichkeit, die Gedanken für 1 1/2 Stunden auszuschalten.


Und ich begab mich in mein Element: Das Interview mit dem Unbekannten. Ich wollte seine Geschichte hören. Die eines älteren Mannes, der danach aussah als tue er es öfter. Und er tat es. Seit 6 Jahren. Meine Frage: "Was macht die Mediation mit dir?" Seine Antwort: "Finde es bei dir heraus, was sie mit dir macht...."


Ich zweifelte stark mit mir und ich sagte auch laut in die Runde, dass ich Angst vor Langeweile hätte. Vollkommende Ehrlichkeit Unbekannten gegenüber, völlig frei, weil sie von mir nichts erwarten. Das mit der Erwartung ist nämlich so ein Ding... Denn sobald der Mensch Nähe zulässt, in welcher Form auch immer, werden an ihn Erwartungen gestellt.


Der kleine, dunkle Raum füllte sich allmählich. Jung, Mittel, alt. Es war eine "Körperscan-Mediation" im Liegen.


Da lag ich. Zwischen fremden Menschen, die tief atmen und ich mit ihnen. "Atme in den großen Zeh und spüre, die dazwischen..., spüre nun deinen linken Fuß...."


Und das einzige, was ich spürte, war mein großer Kopf mit schweren Gedanken und die Frage, wie ich den Atem nun endlich in die Extremitäten hinein atmen soll...


Es gelang mir nicht. Mir wurde kalt, der Kopf war der einzige, den ich spürte.


Ich wurde müde und doch wollte ich nicht schlafen. Ich konzentrierte mich auf die Anleitungen, wohin ich atmen und was ich spüren soll.


Ich habe nur meinen Kopf und die Kälte gespürt.


1 Stunde 15 Minuten.


Diese Zeit durchquerte immer wieder die Gedanken. Dann dachte ich - ´Ich komme doch nicht zum Schlafen hierher´ und dennoch hielt ich meine Augen geschlossen. Ab und an blinzelte ich in den Raum. Und da lagen die Menschen, die tief atmeten und entspannten.


Als die Kursleiterin sagte, wir könnten uns nun auch setzen, war ich die einzige. Also saß ich. Zwischen den liegenden Unbekannten. Mit einer Decke umschlungen. Die Augen geschlossen und doch ab und an blinzelnd.


Ich wartete... Auf die Erlösung. Auf welche eigentlich?


Der schwere Ballon zwischen meinen Schultern wurde von mal zu mal leichter. Die Kälte blieb.


Die Zeit verging erstaunlich schnell. Und als wir alle wieder im "Wach-Modus" waren, war ich erstaunt, was die anderen fühlten:


Wärme! Durch den ganzen Körper. Und ich? Ich saß immer noch fröstelnd da. Der Ballon zwischen meinen Schultern zerfallen.


Um mich aufzuwärmen, ging ich in die Sauna. Dachterrassensauna. Erstaunlich leer. Nach 10 Minuten Hitze kühlte sich beim Spaziergang mein Körper ab und mit ihm die Schwere. Ich fühlte mich leicht. Und erholt.


Während ich die Zeilen hier schreibe, spüre ich eine Art Muskelkater.


Und ob ich diesen Prozess noch einmal wiederholen werde? Ich weiß es nicht. Ich habe immer noch Respekt vor der ruhigen Zeit...




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